Lars Wernecke

freitot

freitot

Theatersolo von Lars Wernecke
URAUFFÜHRUNG
Tribüne Berlin, 2006

Inszenierung: Lars Wernecke
Erika Kellermann: Eva Mannschott




Auszug aus der Kritik der Berliner Morgenpost vom 11.1.2007

... In seinem Monolog "freitot" beschreibt Lars Wernecke den Kampf einer schwer kranken Frau für einen selbst bestimmten Tod. Der Autor und Regisseur will weder für die institutionalisierte Sterbehilfe werben, noch sie verteufeln, sondern fernab von Reizwörtern wie "Sterbetourismus" eine sachliche Diskussion des heiklen Themas anregen. In seinem eindringlich inszenierten Stück spielt Eva Mannschott die betroffene Erika Kellermann, die komplett querschnittsgelähmt ist und ihre Familie in langen Kämpfen überzeugt, sie gehen zu lassen. Ihre Hoffnung ist eine schweizerische Organisation. Ein ebenso leises und intimes wie sensibles Stück.

 
Auszug aus der Kritik der Märkischen Allgemeinen vom 8.12.2006:

... Die schlanke Frau im weiß-blauen Sommerkleid blickt suchend von einem Zuschauer zum anderen. Die Dame, die sie abholen soll, scheint noch nicht eingetroffen zu sein. Also geht sie mit leichten Schritten auf das Bühnenpodest und lässt sich auf einem der drei Holzstühle nieder. Gute Gelegenheit, aus dem eigenen Leben zu plaudern. Mit übereinander geschlagenen Beinen berichtet sie, wie sie am 12. April 2002 auf dem Weg zwischen Auto und Haustür gestürzt ist. Sie brach sich den Nacken und ihr Körper starb. Das einzige, was lebendig blieb, war ihr Kopf.

Grauenvolle Schmerzen, Wahnvorstellungen, Hilflosigkeit und Scham hatte die gelähmte Frau drei Jahre zu erdulden. Doch dann half ihr eine Schweizer Organisation bei ihrem Selbstmord, wie sie mit sanfter Stimme und leuchtenden Augen berichtet.

Das Theatersolo "freitot", das auf einem Bericht im Magazin "Stern" basiert, spürt auf sensible Weise den Fragen nach einem würdigen Leben und einem würdigen Tod nach. Im intimen Rahmen schildert die Schauspielerin Eva Mannschott den qualvollen Leidensweg einer schwerstkranken Frau. Die eindringliche Uraufführung, die von melancholischen Saxophon-Klängen unterbrochen wird, hat Autor Lars Wernecke auf leise, unspektakuläre Weise in Szene gesetzt.