Lars Wernecke

Verrückte Zeiten


Berlin Comedian Harmonists
Verrückte Zeiten

 von Lars Wernecke
URAUFFÜHRUNG
Theater am Kurfürstendamm Berlin 2009

Schwabenlandhalle Fellbach 2009


Inszenierung: Lars Wernecke
Musikalische Arrangements: Franz Wittenbrink

Darsteller: Holger Off, Olaf Drauschke, Ralf Steinhagen, Philipp Seibert, Wolfgang Höltzel und Horst Maria Merz

Fotos: Claudius Schutte





Kritik der Berliner Morgenpost vom 5.9.2009

Comedian Harmonists sind zum Niederknien komisch

Fast zwölf Jahre ist es her, dass die Berlin Comedian Harmonists mit dem Stück "Veronika, der Lenz ist da" einen Überraschungserfolg landeten. Jetzt beehren sie das Theater am Kurfürstendamm mit ihrem Programm "Verrückte Zeiten". Und da sticht nicht nur der kleine grüne Kaktus.

Im Frack nach außen hin ganz distinguierte Gentlemen mit frivolem Schalk in den Augen, herrscht intern bei den Berlin Comedian Harmonists großer Aufruhr: Holger Off, der erste Tenor, kündigt seinen Ausstieg an. Nach knapp zwölf gemeinsamen Jahren mit über 1000 Konzerten will er wieder zu sich selbst finden. Unerhört, meint der Rest der Truppe. Glücklicher Weise besinnen sich die sechs Herren trotz Gezänk bald darauf, was sie im Innersten zusammen hält: Die Musik.

Ursprünglich einmal wurden im Dezember 1997 sechs singende Schauspieler für die musikalische Biographie „Veronika, der Lenz ist da – Die Comedian Harmonists“ verpflichtet. Die Komödie landete damit seinerzeit einen fulminanten Überraschungserfolg und fortan wurden die frischgebackenen Berlin Comedian Harmonists im In- und Ausland beinahe so umjubelt wie ihre großen Vorbilder. Deren jazzinspirierter, pointierter Gesangsstil ist selbstredend auch das Markenzeichen der Nachfolger. Bereits vor knapp zwei Jahren feierte die etwas andere Boygroup ihr zehnjähriges Bühnenbestehen. Jetzt endlich beehrten sie das Theater am Kurfürstendamm mit ihrem Jubiläumsprogramm „Verrückte Zeiten“. Die Berliner Erstaufführung riss die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin.

Natürlich singen die Tenöre Holger Off und Ralf Steinhagen, die Baritons Olaf Drauschke und Philipp Seibert sowie Bass Wolfgang Höltzel viele bekannte Evergreens der Comedian Harmonists wie „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Schöne Isabella aus Kastilien“. Formidabel von Horst Maria Merz am Flügel begleitet, klingen Frank Wittenbrinks Arrangements dabei spritzig und kein bisschen angestaubt.

Neben den Songs und Kabbeleien lässt Regisseur Lars Wernecke die Erzkomödianten von der bitteren Trennung der Comedian Harmonists erzählen. Im Gegensatz zum heutigen Vokal-Ensemble existierte das Original nämlich gerade mal acht Jahre: In Nazi-Deutschland erhielt die Gruppe zunächst Auftrittsverbot und tourte bis zur Auflösung 1935 nur noch im Ausland. Anschließend emigrierten die drei jüdischen Mitglieder. Sie gründeten die Comedy Harmonists, die in Deutschland verbliebenen Musiker das Meistersextett. Die Berlin Comedian Harmonists hingegen schlagen trotz Zwistigkeiten einen völlig neuen Weg ein. Wie schon ihre Vorbilder wollen sie aktuelle Strömungen in ihr Repertoire aufzunehmen, und deklinieren daher die letzten Jahrzehnte musikalisch durch. Für die 1940er etwa steht Glenn Millers Meisterwerk „Moonlight Serenade“. Es folgen grandiose A-cappella-Versionen von den Beatles mit „Girl“, Nenas „99 Luftballons“ und Michael Jacksons „Billie Jean“. Ihre Wurzeln verleugnen die Sänger dabei mitnichten. Es wäre auch zu schade um ihre eigenwillige Interpretation von „Mein kleiner grüner Kaktus“. In jedem Fall zum Niederknien komisch.

Kritik von FOCUS online vom 05.09.2009

Mit dem Stück „Verrückte Zeiten“ wagen sich die Berlin Comedian Harmonists auf neues musikalisches Terrain. Gestern Abend feierten sie in der Hauptstadt Premiere.
Das Publikum wartet gespannt, als das Licht im Saal dunkler wird. Ein roter Vorhang und ein auf Hochglanz polierter schwarzer Flügel dienen als Bühnenbild. Sechs Männer in schwarzen Fräcken mit weißen Fliegen betreten die Bretter, die die Welt bedeuten. Einer setzt sich ans Piano. Die anderen stellen sich in einer Reihe auf, die Hände am Revers, und fragen trällernd: „Mein schöner Schatz, bist du aus Spanien?“

In die Fußstapfen ihrer Vorbilder traten die Berlin Comedian Harmonists bereits vor zwölf Jahren mit dem Theaterstück „Veronika, der Lenz ist da – Die Comedian Harmonists“. Das war auch die Geburtsstunde des Vokalensembles 2.0. Seitdem ist das Sextett aus der Theater- und Unterhaltungslandschaft nicht mehr wegzudenken und macht – wie das Original in den 20er- und 30er-Jahren – auch international Karriere. Ihre „Ehe zu sechst“ ist deshalb auch Gegenstand des neuen Stücks „Verrückte Zeiten“ von Regisseur Lars Wernecke. „Mit diesem Programm gratulieren wir uns zu zehn Jahren Berlin Comedian Harmonists“, gibt die Gruppe um Olaf Drauschke, Ralf Steinhagen, Horst Maria Merz, Holger Off, Wolfgang Höltzel und Philipp Seibert unverhohlen zu.

Charmanter Humor und erstaunliche Ton-Akrobatik

Tempovoll beginnt das musikalische Bühnenspiel mit einem Wechsel von klavierbegleitetem Gesang und Erzählungen über die Zeit nach der Trennung der Comedian Harmonists 1935. Um davon zu berichten, schlüpfen die Darsteller in die Rollen ihrer Vorbilder samt passendem Dialekt, den sie jedoch leider nicht durchweg beibehalten. Mit unaufdringlich charmantem Humor präsentieren sie die Gassenhauer der Original-Gruppe, intonieren auch einmal Instrumente und erstaunen mit Ton-Akrobatik. Zur Atmosphäre der Vorgänger fehlt einzig das knirschende Geräusch des Grammophons. So weit, so klassisch.

Als aber eine angebliche Ratte in der Garderobe dazu führt, dass der bekannte Song über ein stacheliges Pflanzengewächs ohne ersten Tenor gesungen werden muss und dieser dann auf der Suche nach sich selbst die Gruppe verlassen will, treten die Berlin Comedian Harmonists aus dem Schatten des Originals. Um eine zeitliche und musikalische Brücke zwischen sich und ihren Vorbildern zu schlagen, interpretieren sie Lieder aus den Nachkriegsdekaden im unverwechselbaren Stil des weltbekannten Vokalensembles. Dabei scheuen sie weder englische oder italienische Texte noch fantasievolle Umdichtungen der ursprünglichen Werke. Die komplett neuen Arrangements von Franz Wittenbrink, der auch bei „Veronika, der Lenz ist da“ die musikalische Leitung innehatte, führen zur überraschenden Weiterentwicklung der Cover-Band. Mit Glenn Millers „Moonlight Serenade“ aus den Fünfzigern bis zur Eigenkomposition aus den „Nullern“ erschafft sie eine glaubhafte Illusion: Was wäre, wenn die Comedian Harmonists diese Stücke gesungen hätten?

Wer nun wissen will, warum 98 Luftballons vor einem kleinen grünen Kaktus fliehen, Michael Jackson zu fett ist oder was Udo Lindenberg mit dem Ganzen zu tun hat, kann „Verrückte Zeiten“ im September, Oktober und November in Berlin sehen. Deutschlandweite Vorstellungen sind geplant; Termine stehen bisher allerdings noch nicht fest.

Kritik der Märkischen Oderzeitung vom 07.09.2009

Vergnügte Begeisterungsstürme für die Berlin Comedian Harmonists im Theater am Kurfürstendamm. Die sind seit fast zwölf Jahren mit weltweitem Erfolg auf den Spuren der legendären „Comedian Harmonists“, die zwischen Weimarer Republik und Nazi-Herrschaft amüsant Furore machten. „Veronika der Lenz ist da“ – so der Titel einer der Hits des legendären Männer-Sextetts, war im Dezember 1997 für drei Monate als musikalischer Boulevard mit ernsten Hintergrund geplant und wurde weit mehr als der gleichzeitig startende Film zum Dauerbrenner.

Die sechs Herren mit dem besonderen Sound und den witzigen Texten, die Charme, Witz und Humor hatten und obendrein stimmlich über lässige Virtuosität verfügten, wurden den Nazis mit dem Esprit der 20er Jahre schnell missliebig. Da ein Teil jüdisch war, war Auftrittverbot, Trennung und Emigration die Folge. „Der kleine grüne Kaktus“ wurde blass, „Ein Freund, ein guter Freund“ war keiner mehr, sogar „Auf Wiedersehen“ wurde fraglich. Die Emigranten versuchten künstlerisches Überleben in der Fremde als „Comedy Harmonists“, die verbleibenden Deutschen als „Meistersextett“.

Ihre Titel aber wurden unsterblich und vor zwölf Jahren wieder spritzig jung und die „Berlin Comedian Harmonists“ mit ihnen in immer wieder neuen Programmen gefeiert. Lars Wernecke, Theaterautor und Regisseur, hat ihnen jetzt ein Stück auf den Leib geschrieben, das die Geschichte der Comedian Harmonists ebenso erzählt wie die ihrer Nachfolger, die jetzt schon viel länger zusammen sind als die von ihnen verehrten Vorgänger. Er erzählt nicht nur die Probleme der Zusammenarbeit bei politisch ideologischen Außendruck, sondern auch die Folgen allzu großer, allzu langer Gemeinschaft auf Proben und Konzertreisen.

Das sind Probleme, die Olaf Drauschke, Wolfgang Hölzel, Holger Off, Philipp Seifert und Ralf Steinhagen als Sänger und Horst Maria Merz am Klavier sich ebenso stellen wie die Frage nach der Erneuerung und Erweiterung des Repertoires. Also kommt das Problem des Ausstiegs auf den Tisch. Der Tenor hat es satt, mit immer denselben Kollegen dasselbe zu singen. Und die sind sauer, dass da einer abspringen, ja damit das Erfolgsteam sprengen will. Rettung kommt durch neue Titel im alten Stil. Lars Wernecke schildert die heikle Stimmungslage sensibel, sowohl in der politischen Verfolgung wie im natürlichen und verständlichen Überdruss an der ständigen Zusammenarbeit.

Die Rettung kommt aus der Erneuerung des Repertoires, das als neue Herausforderung die erwachsen gewordene Boy Group zu neuen Aufgaben zusammenbringt. Also haben sich die Jungs von damals auf die Suche nach Titeln gemacht, die viel-leicht auch ihre Vorbilder sich hätten aneignen können. Aus den 40er Jahren kam ihnen Glenn Millers „Moonlight Serenade“ bestens zupass. Nenas „99 Luftballons“ steigen poetisch zum Himmel, die „Abba“ - Mania erweist sich als lustig ergiebig und man traut seinen Ohren nicht, wie amüsant sich die Beatles, zumal aber Michael Jackson im Stil der Comedian Harmonists ausnehmen. Das bewirkt die Kunst von Franz Wittenbrink, der schon „Veronika der Lenz ist da“ musikalisch betreute und jetzt als Arrangeur alten Stil einbringt.

Das aktuell Zeitgenössische kommt auf überraschende Weise ebenfalls glanzvoll nicht zu kurz. Horst Maria Merz am Flügel, der so mitreißend kess wie einfühlsam sensibel die Herren im Frack führt, steuert als gefeiertes Glanzstück ein neues eigenes Lied bei. Der Kreis schließt sich ernst mit Mischa Spoliansky Abschiedslied, das die Comedian Harmonists nicht mehr auf Schellackplatte aufnehmen konnten. Der Jubel ist groß.

Auszug aus der Kritik
der Stuttgarter Zeitung und der Fellbacher Zeitung vom 25.03.2009

"Back to the roots" - zurück zu den Wurzeln - so könnte eine Charakteri­sierung der beiden Auftritte der "Berlin Comedian Harmonists" am Montag- und Dienstagabend im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle lauten. Sie ließen einen Mythos im Gesang weiterleben.

Wo andere ein multimediales Bühnenspektakel inszenieren und mit aufwendiger Ton­technik jonglieren, genügte der Ausnahmeformation ein Flügel, Haargel, Frack und selbstredend brillant-spritzige Arrangements nebst hintergründig-humorigen Dialogen, um das Publikum restlos zu begeistern. Dabei bot das Ensemble der Fellbacher Zuhörerschaft zudem ein besonderes Premieren­gefühl. Denn zum Zehn-Jahre-Jubiläum stand es mit seinem neuen Programm "Verrückte Zeiten" erstmals in Fellbach auf der Bühne.

Holger Off, Olaf Drauschke, Ralf Steinhagen, Philipp Seibert, Wolfgang Höltzel und Horst Maria Merz machten dabei eindrucksvoll längst vergangene Zeiten wieder lebendig, ohne diese blind zu glorifizieren. Hinter dem Markenzeichen "Comedian Harmonists" standen nämlich nicht nur sechs begnadete Musiker, sondern eben auch sechs Indivi­dualisten, die sich auch auf Grund der herrschenden politischen Verhältnisse vor und während des Zweiten Weltkrieges schneller entzweiten, als sie zusammenkamen. Eben dieser Umstand bildete die inhaltliche Klammer des Programms, in dem das Ensemble facettenreich das Innenleben der damaligen und der heutigen Formation
darstellte.

Im Zentrum des Interesses standen natürlich die heiß geliebten Titel "Veronika, der Lenz ist da", "Ein Freund, ein guter Freund" oder "Mein kleiner grüner Kaktus", und den sechs Berliner Vokalkünstlern waren die Fußstapfen ihrer musikalischen Vorbilder wahrlich nicht zu groß. Mit Witz, Tempo, höchster Präzision, glasklarer Intonation und perfektem Ensemble­klang ließen die "
Berlin Comedian Harmonists" die Herzen höher schlagen.
Als das Sextett im zweiten Teil des Abends Songs von Glenn Miller, den Beatles, von ABBA, Nena und Michael Jackson auf den Stil der Comedian Harmonists adaptierte, gelang es ihm, einen Mythos weiterleben zu lassen.

Auszug aus der Kritik der Offenbach-Post vom 04.08.2009

„Berlin Comedian Harmonists“ brillieren in der Burg - Ein Geschenk zum Jubiläum

Sie, (die "Comedian Harmonists") sorgten für die Musik der ausgehenden Weimarer Republik: frisch, frech und frivol. (...) Was wäre passiert, wenn das Sextett auch nach dem Zweiten Weltkrieg die Möglichkeit gehabt hätte, Musik zu machen? Dieser Frage geht das Jubiläums-Programm „Verrückte Zeiten“ nach, mit dem die „Berlin Comedian Harmonists“ bei den Burgfestspielen brillierten. Seit zehn Jahren sorgt das Sextett, das aus dem Ensemble des Theaterstücks „Veronika, der Lenz ist da - die Geschichte der Comedian Harmonists“ hervorgegangen ist, für Furore. In mehr als 1 000 Konzerten ließen die Musiker den Klang ihrer großen Vorbilder lebendig werden, ohne diese einfach zu kopieren. Das schönste Geschenk zum zehnjährigen Bestehen machen sich Olaf Drauschke (1. Bariton), Holger Off (1. Tenor), Wolfgang Höltzel (Bass), Philipp Seibert (2. Bariton), Ralf Steinhagen (2. Tenor) und Horst Maria Merz (Klavier) nun selbst mit dem Programm „Verrückte Zeiten“. Geschrieben hat es Lars Wernecke und arrangiert Franz Wittenbrink. Auf geschickte Weise wird darin die Erinnerung an die „Comedian Harmonists“ wach gehalten, aber auch eine Brücke in die Zukunft geschlagen.

Nicht ohne Stolz verweisen die Sechs darauf, dass es nur wenige Boybands auf ein Alter von zehn Jahren gebracht haben. (...) Daneben wird in dem Programm aber auch durchgespielt, was es bedeutet, zehn Jahre immer wieder in die historischen Rollen zu schlüpfen und kein Eigenleben mehr zu haben. Der erste Tenor Holger Off gibt vor, aussteigen zu wollen, um wieder mehr Zeit für sich zu haben. Die anderen überlegen, wie der Abtrünnige gehalten werden kann und versuchen es natürlich musikalisch.

(...) Im ersten Teil erklingen die mehr oder weniger bekannten Titel des legendäre
n Sextetts („Ein Freund, ein guter Freund“, „Veronika, der Lenz ist da“ oder „Schöne Isabella von Kastilien“) im perfekten Gruppenklang und mit viel Spaß. Denn die perfekt aufeinander abgestimmte Choreografie lässt den Akteuren genügend Raum, sich zu profilieren. Nach der Pause geht es auf eine Zeitreise der besonderen Art. Das Ensemble überlegt, welche Lieder den Ur-Harmonists zugesagt hätten. Für die 40er Jahre wählen sie „Moonlight Serenade“ von Glenn Miller, während es in der spießigen Schlagerwelt der 50er Jahre wohl kaum etwas gegeben hätte. Schließlich ist „Buena Sera“ zu hören. Doch auch die anderen Hits von den Beatles, von Abba, Nena („99 Luftballons“) und Michael Jackson („Bad - Ich bin fett“) werden auf geniale und umwerfende Weise parodiert, von Wittenbrink perfekt arrangiert. Dabei merkt man schmerzlich, was mit den „Comedian Harmonists“ verloren gegangen ist, die einen Riesenspaß daran gehabt hätten, Kollegen zu persiflieren. Für das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts steht schließlich ein selbst komponiertes und wunderschönes Lied des Pianisten Horst Maria Merz. Die „Berlin Comedian Harmonists“ haben so eindrucksvoll bewiesen, dass sie weiter eine Zukunft haben.

Mit einigen der großen Harmonists-Hits (...) endet ein begeistert aufgenommener Abend in der Burg.

Auszug aus der Kritik der Siegessäule vom 7. Juni 2011

Rasant, ironisch, genial: „Verrückte Zeiten“
Die Berliner Comedian Harmonists sind in ihrer neuen Show top in Form und einfach mitreißend!

Zum zehnten Bühnenjubiläum schenken die Berlin Comedian Harmonists sich und uns „Verrückte Zeiten“. Die neue Show, zu sehen in der Komödie am Kurfürstendamm, erzählt die Geschichte der historischen Comedian Harmonists weiter: wie drei der Sänger wegen der perversen Rassenideologie der Nazis emigrieren müssen. Wie sich zwei Nachfolge-Combos formieren, in Deutschland das Meistersextett, das sich heftig zerstreitet, und in der Emigration die Comedy Harmonists, die bis nach Australien kommen. Im zweiten Teil des Abends wird durch einen geschickten dramaturgischen Kniff dann überlegt, wie die Comedian Harmonists wohl heute singen würden. Daraus entsteht eine rasante musikalische Zeitreise.

Die fünf befrackten Sangeskünstler und ihr Pianist sind wieder voll in ihrem Element. Sie singen wie die Engel und beherrschen teuflisch gut bissige, ironische und ziemlich schräge Zwischentöne. Wilder Kindergeburtstag trifft auf Dada trifft auf Glamour. Der Vortrag im steifen Frack wird unaufhörlich gebrochen, rasend schnell gibt es komische Kammerstückchen in den Songs. Da können sich die Berlin Comedian Harmonists als gewiefte Komiker richtig austoben, sei es als tumber Nachbar, der den kleinen, grünen Kaktus findet, als Torero mit roter Serviette oder beim blitzschnellen Gender-Switching. Affektierter Operngestus, Zickenalarm und saftiger Divenkrieg werden auch noch draufgelegt. Wenn dann Songs von Glenn Miller, Beatles, Abba, Nena, Michael Jackson intoniert werden, sind die Berlin Comedian Harmonists, was eigentlich kaum zu glauben ist, noch aufregender als sie es eh schon bei ihren Klassikern sind. Und am Schluss wird nochmals ein neuer Weg eingeschlagen. Was für eine tolle Show!