Lars Wernecke

Sweet Sweet Smile

Sweet Sweet Smile

Theatersolo von Lars Wernecke
URAUFFÜHRUNG
Schlosstheater Celle, 2006 
Vaganten Bühne Berlin, 2010
Südthüringisches Staatstheater Meiningen 2012


Inszenierung: Lars Wernecke
‚Richard Carpenter’: Ingo Brosch

Fotos: Stefan Ódry





Auszug aus der Kritik von Theatertip Tomerius Berlin 06/2010:

„Sweet, Sweet Smile“, Superhit aus alten US-Pop Zeiten, gibt dem fiktiven Spiel von Lars Wernecke, den Titel. Er reißt die Erfolgsgeschichte der Carpenters auf, mit meist anonymen Anfeindungen und Verdächtigungen, denen sich Bruder Richard ausgesetzt sah, nachdem die Schwester Karen plötzlich Opfer ihrer Magersucht wurde. Auf prachtvollem Anwesen verbarrikadiert, von Gerüchten bedroht, von Belastungen gequält, redet er sich eigenes Versagen aus, nimmt die Hits jetzt allein im eigenen Studio auf und läuft sich selbst, seiner Homosexualität, seiner Drogenneigung davon. Ingo Brosch, bestens bei Figur und Stimme, macht daraus ein so spannendes, menschliches wie musikalisches Porträt, dass man dem gebannt folgt und bestens unterhalten ist.


Auszug aus der Kritik der Celleschen Zeitung vom 30.5.2006:

 ... Erfolg und Ende des Pop-Duos „The Carpenters” beleuchtet der Solo-Abend „Sweet sweet smile”, der im Malersaal des Celler Schlosstheaters seine Uraufführung erlebte. Aus biographischem Material und Hits der Carpenters hat Autor und Regisseur Lars Wernecke ein fulminantes Theater-Solo montiert, bei dem der Schauspieler Ingo Brosch seine schauspielerische und musikalische Extraklasse beweisen kann.

Ein schlaksiger, auffallend nervöser Mann in brauner Cordhose und braunem Pulli betritt den Raum, beschimpft die Zuschauer und das Telefon, die ihn bei der Arbeit stören. Er drückt auf einen Knopf, die Begleitmusik des Carpenter-Hits „Sweet sweet smile” wird eingespielt. Er stellt sich als Richard Carpenter vor, Bruder der jung an Magersucht gestorbenen Sängerin Karen Carpenter, mit der er als „The Carpenters” in den siebziger Jahren die Pop-Charts erobert hatte... Ein eindringlicher und intelligenter Theater-Abend, der aus Sicht des Bruders die Kehrseite des Erfolgs im Showbusiness entlarvt. Dramaturgisch gelungen die Einbettung der Songs, facettenreich die Figur des Richard, des musikalisch hochbegabten, aber nervlich sensiblen Musikers, der am Verlust der geliebten Schwester zugrunde geht...

Brosch spielt den Bruder mal nervös-gehetzt, mal euphorisch-überdreht absolut glaubwürdig, interpretiert die vom Musiker Sebastian de Domenico neu arrangierten und abgemischten Carpenter-Songs auch in den schwierigsten Arrangements mit einer ungeheuren musikalischen Meisterschaft. Atemberaubend die Zugabe mit der Carpenters-Version von „He‘s got a ticket to ride”, die in ihrer musikalischen Komplexität das Carpenters-Klischee „Popgruppe mit Kaufhaus-Sound” eindrücklich widerlegt.

Auszug aus der Main-Post und der Neuen Presse Coburg vom 22. Februar 2012

Seltsam, dass bis zu diesem Abend das amerikanische Pop-Duo „The Carpenters“, das in den 1970er Jahren Welthits am laufenden Band lieferte, in irgendeinem Hinterstübchen der Erinnerung vor sich hinschlummerte.

Nun, nach Ingo Broschs Theatersolo „Sweet Sweet Smile“ in den Meininger Kammerspielen, sind sie wieder präsent: Richard Carpenter, der geniale „Software“-Komponist, Arrangeur und Pianist, und seine Schwester Karen Anne, die begnadete Sängerin, die nach einer durchlittenen Magersucht 1983 im Alter von nur 32 Jahren an Herzversagen starb.

Und plötzlich wird einem klar, warum man sie so lange verdrängen konnte: Ihr weichgespülter Kuschelpop begeisterte damals zwar Menschen rund um den Globus, aber da gab es in der aufmüpfigen jungen Generation auch ganz andere Fraktionen, die den rebellischen Hardrock liebten, oder jene, die sich von Protest- und Folksongs inspirieren ließen. Dazwischen lagen Welten. Erst in den harmoniebedürftigeren Folgejahren konnten sich bei den gealterten Widerspenstigen die süffigen Evergreens wie „Sing, Sing A Song“, „Close To You“ oder „Top of the World“ im Gemüt einlagern. Spätestens dann, wenn sie einem als Animationsmusik im Kaufhaus immer wieder ins Ohr krochen.

Doch eigentlich ist das nicht das Thema dieses Stückes aus der Feder des Regisseurs Lars Wernecke („Cabaret“), mit musikalischen Arrangements von Sebastian de Domenico. Es geht vielmehr um die Schattenseiten des Erfolgs im internationalen Showbiz. Damit wird die Geschichte, über eine sentimentale Note hinaus, sehr aktuell. Whitney Houston, Amy Winehouse, Michael Jackson lassen grüßen.

Wernecke hat die frei erfundene Geschichte dramaturgisch geschickt komponiert und mit einem völlig unerwarteten Schluss versehen. Anders hätte das Stück auch nicht überlebt, denn der inzwischen 65-jährige Richard Carpenter hätte sicherlich alles daran gesetzt, zu verhindern, dass sich das von Wernecke gezeichnete Bild eines hochneurotischen Charakters in der Öffentlichkeit verbreitet: Das Bild eines Musikers, der weder mit dem Tod der geliebten Schwester noch mit seiner Position im Schatten Karens zurechtkommt.

Wir sehen also Jahre nach Karens Tod einen Mann in seinem Tonstudio stehen, um die Hits der Carpenters mit seiner Stimme – statt der seiner Schwester – abzumischen. Er registriert das Publikum, wendet sich immer wieder verächtlich von ihm ab, erzählt jedoch gleichzeitig die Geschichte der Karriere bis in intime Details. Dabei oszilliert sein Gemüt ständig zwischen Selbstmitleid und Selbstüberschätzung, zwischen Selbstzweifel und Arroganz. Der Mann bastelt sich seine Version der Geschichte zurecht. Dazwischen tritt er immer wieder ans Mikrofon, um die Songs einzuspielen. Das ist dem Publikum natürlich stets einen Applaus wert.

Ingo Brosch spielt die Zerrissenheit dieses Mannes absolut glaubwürdig – bis hin zu den kleinsten verräterischen Gesten, die das Selbstbild ins Wanken bringen. Der Schauspieler und Sänger Brosch meistert den etwas anderen Liederabend souverän und ermöglicht damit entlarvende Einblicke ins Showbusiness, die bei anderen musikalischen Revivalversuchen häufig zu kurz kommen.


Auszug aus der Kritik auf musikalitis.blogspot.com vom 20. April 2010

"Sweet Sweet Smile" ein Stück über die Carpenter-Geschwister Richard und Karen kann durchaus als Compilation-Show bezeichnet werden, denn die Musik kommt ausschließlich von eben jenen Geschwistern, die in den 70-iger Jahren eine Weltkarriere machten. Die Musik der Carpenters wurde entweder geliebt oder gehasst, gehasst vor allem deshalb, weil sie als weichgespülter "Lackschuh-Pop" betrachtet wurde. Der Autor dieses Stückes, Lars Wernecke hat es geschafft, aus dem Über-Leben der beiden Geschwister eine fesselnde, fiktive Story zu schreiben und die Songs der Carpenters so in den Text einzubetten, dass auch sie die Geschichte weiter erzählen.

 

Ein schlaksiger, geradezu dürrer Mann betritt nervös die Bühne und beginnt fieberhaft in seinem Keller-Tonstudio zu arbeiten. Richard Carpenter hat den frühen Tod seiner Schwester immer noch nicht überwunden. Karen starb mit 32 Jahren an Magersucht, nun wird er von Anrufern verfolgt, die ihn für den Tod seiner Schwester verantwortlich machen. Schon am Anfang wird klar, der übersensible Richard vermisst seine Schwester noch heute, gibt sich jedoch keinerlei Schuld an der Krankheit seiner Schwester. Beide scheinen ihre eigenen Dämonen gehabt zu haben, denn Richard war viele Jahre tablettensüchtig. Richard leidet noch heute darunter, dass seine Musik als "Fahrstuhlstuhlmusik" missbraucht wird und sehnt sich nach Anerkennung für sein Werk.

Jetzt sitzt er in seinen Studio, zwischen all den Andenken, Bildern des Popduo´s und vielen Goldenen und Platinschallplatten und versucht die Geister der Vergangenheit zu vertreiben. Dazu singt er die alten weltberühmten Carpenter Songs wieder ein, "Rainy days and Mondays, natürlich Sweet, Sweet Smile und auch eine Adaption des Beatles Songs "He´s got a ticket to ride". Dazwischen klingelt immer wieder das Telefon, anonyme Anrufer belästigen ihn mit Vorwürfen, am Tod seiner Schwester schuld zu sein.

Ingo Brosch spielt Richard Carpenter und füllt damit mühelos die ca. 2 Stunden Spielzeit. Die Körpersprache ist beeindruckend, er verleiht seiner Figur fast manische Züge und lässt mit seiner Gestik bei den Songs die Carpenters wieder auferstehen. Er zeichnet das Bild eines todunglücklichen Mannes ohne seine Figur zur Karikatur werden zu lassen. ... Manch einer hat Ingo Brosch vielleicht auch als "Santa Maria" beim "Schuh des Manitu" erlebt ... Aber erst in diesem Stück kann er zeigen, wie groß seine gesanglichen Fähigkeiten sind. Er interpretiert die Carpenter-Songs mit weichem Bariton und meistert selbst schwierige Passagen mühelos. Der verdiente Lohn ist heftiger, langanhaltender Applaus nach einem so überraschenden Ende, dass das Publikum sekundenlang verblüfft schweigt. ...