Lars Wernecke

Orpheus Britannicus


Orpheus Britannicus

Schauspiel mit Musik von Benjamin Britten und Henry Purcell
von Lars Wernecke

URAUFFÜHRUNG
Nikolaisaal Potsdam 2008

Musikalische Leitung: Kristian Commichau
Inszenierung: Lars Wernecke
Bühnenbild: Lars Wernecke
Kostüme: Andrea Hoppen
Benjamin Britten: Arne Fiedler
Henry Purcell: Ingo Brosch
Peter Pears: Martin Langenbeck
Benjamin Britten als Junge: Moritz / Pinkas Commichau

Campus Cantabile Potsdam, vocal-concertisten Berlin, Sinfonietta Potsdam

Fotos: simon









Auszug aus der Kritik vom Tagesspiegel vom 12.Juli 2008

Hör auf deine Dämonen... Gute Dirigenten proben nicht nur mit den Händen, sondern auch mit Subtexten. Assoziationen können ebenso dazugehören wie Details aus dem Leben der Komponisten. Kristian Commichau, Leiter der innovativen Jungen Vocal-Concertisten Berlin sowie von Campus Cantabile und Sinfonietta der Universität Potsdam ist ein Meister des Subtexts: Präsenz, dynamische Differenzierung und Intensität, die er seinen Chören entlockt, wirken nie wie bloße Reaktionen auf Gesten, sondern sind Ausdruck einer ungewöhnlich lebendigen, gemeinsam verinnerlichten Werkvorstellung... 

Commichaus vereinte Ensembles brachten das Schauspiel mit Musik von Benjamin Britten und Henry Purcell jetzt im Nikolaisaal Potsdam zur Uraufführung. Autor und Regisseur Lars Wernecke schildert in einer fiktiven, märchenhaften Szene, wie sich Britten 1942 bei der Rückkehr nach England seinen „Dämonen“ stellt: vor allem den Missbrauchserfahrungen, die er als Kind gemacht haben soll und die dramaturgisch geschickt mit einer Auseinandersetzung mit Übervater Purcell verquickt werden...


Auszug aus der PNN vom 8. Juli 2008

Dass auf Plakaten ein „Schauspiel mit Musik“ angekündigt wird, wie derzeit in Potsdam, und sogar Chor und Orchester mit von der Partie sind, ist heutzutage schon eine Rarität. Zwar gehörten Musiker noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts genau so selbstverständlich zur abendländischen Theaterpraxis wie Kulissen und Kostüme. Doch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verzichteten immer mehr Theater auf live gespielte Bühnenmusik.


... Der erste (von seinen Zeitgenossen so betitelte) „Orpheus britannicus“ der Musikgeschichte war der berühmte Barockkomponist Henry Purcell. Dieser tritt jedoch nur als Vision, als Gespenst einer vergangenen Zeit auf, denn die Handlung spielt nicht im Barock, sondern im Zweiten Weltkrieg...
Im Mittelpunkt steht ein anderer britischer Komponist: Benjamin Britten, der so genannte „moderne Orpheus britannicus“. Britten bewunderte Purcells Werke und betrachtete ihn als „die letzte Erscheinung der englischen Musik von internationaler Bedeutung“. In Werneckes Schauspiel spielt der barocke „Orpheus Britannicus“ Purcell eine ambivalente Rolle: Das Purcell-Gespenst schenkt dem in seine Kindheit zurück versetzten Britten die Vision, einmal ein großer Komponist zu werden und zaubert wunderschöne (nämlich von Purcell komponierte) Musik herbei. In diesem Augenblick treten die vorher nur schemenhaft auf der Bühne zu sehenden Sänger und Orchestermusiker optisch und vor allem akustisch in Erscheinung.

Das barock gekleidete Phantom verlangt für die viel versprechende Prophezeiung jedoch einen Preis. Hier flicht der Autor tatsächliche Geschehnisse aus dem Leben Brittens ein, der als Junge von seinem Vater (andere Quellen nennen den Lehrer) missbraucht wurde. Dieses Verweben von Fiktion und Realität bestimmt das gesamte Stück...