Lars Wernecke

Misery

Misery

Thriller von Simon Moore
nach dem Roman von Stephen King

Südthüringisches Staatstheater Meiningen, 2009
Landestheater Eisenach, 2009


Inszenierung:
Lars Wernecke
Ausstattung: Susanne Thaler
Annie Wilkes: Christine Zart
Paul Sheldon: Michael Jeske


Fotos: ED

 







Auszug aus der Kritik der Saale-Zeitung vom 28.10.2009:

 ... Das Meininger Theater produzierte diesen Theaterthriller in seinen Kammerspielen. Dazu baute Bühnenbildnerin Susanne Thaler einen in allen Bezugsebenen schrägen Berghüttenverschlag mit Bett und Tisch und Wandschrank auf die Bühne, zeigte so von vornherein ihren Zuschauern, auf welch abgründiges Terrain sie sich bei diesem Theaterabend begaben. Sie zwang allerdings auch das Publikum in ungewohnte Positionen, ... nah dran an dieser streng gestalteten Wohnhütte irgendwo in den amerikanischen Bergen, unweit derer sich Sheldon immer zum Schreiben zurückzieht und in der Annie ihre bisherigen Untaten in einem Voodoo-Schrein feiert.

Für die Schauspieler der Annie und des Sheldon bieten die reichlich eineinhalb Stunden reine Spielzeit alles, was ein Darstellungskünstler liebt: von Verzweiflung bis Ekstase, von schleichender Gefährlichkeit bis zu offenem Triumph ist alles da, womit man schauspielerisch aufwarten kann. Christine Zart als Annie Wilkes und Michael Jeske als Paul Sheldon stellten sich ihrer Aufgabe mit vor allem im Fall Jeskes absoluter routinierter Hingabe. ... Michael Jeske glänzte in den vielen Facetten der Demontage des Paul Sheldon, in seiner ohnmächtigen Drogenabhängigkeit genauso wie in den furchtlosen Versuchen der Selbstbehauptung.

Die beiden Darsteller und die gesamte Mannschaft um sie lieferten einen umwerfenden Theaterabend, der allen Theaterfreunden - bis auf den allzu zart besaiteten - unbedingt empfohlen werden kann. Das Publikum der Kammerspiele war rundum begeistert und feierte Darsteller und Team.


Auszug aus der Kritik der Main-Post und Neuen Presse vom 24.10.2009:

Drüben im Großen Haus trällert die "Lustige Witwe". Das Weib, das zeitgleich in den Kammerspielen die Geschichte in die Hand nimmt, oder besser: das Hackebeil schwingt, ist alles andere als lustig. ... Sie wirkt gerade deshalb furchterregend, weil sie erst honigsüß und warm-herzig daherzukommen scheint, bevor sich Schritt für Schritt das Grauen einschleicht. ...

Obwohl ja alles so viel versprechend beginnt. Wir erleben zuerst Sheldon im Foyer des Theaters, wo er gerade den Literaturpreis "Die bronzene Rose" entgegennimmt. Voller neuer Ideen und Ambitionen auf einen möglichen Pulitzer-Preisgewinn fährt er in sein einsames Waldhaus. Er will einen neuen Roman schreiben, nicht zuletzt deshalb, weil ihn seine erfolgreichen aber furchtbar kitschigen Misery-Romane inzwischen zum Hals raushängen. Szenenwechsel. Nacht. Jeske-Sheldon liegt in der Dachkammer eines Waldhauses schwer verletzt in einem engen Bett, vollgepackt mit Kissen und Decken. Der Schatten des Dachfensterkreuzes fällt auf den Boden - eine fast schon perfide anheimelnde Atmosphäre, dank Susanne Thaler (Bühne und Kostüme).

"Misery" ist eine dramaturgisch exakt auf den Punkt gebrachte Satire auf die Hypes und Hirnrissigkeiten im knallharten Gewerbe der Traumfabriken. Und insofern ist sie aktuell wie eh und je. Kings Kunst ist die Vereinigung der hochneurotischen Auswüchse einer Kitschindustrie mit psychopathischem menschlichen Verhalten im Schatten des ganz normalen Alltags.

Dass sowohl das dramatische als auch das satirische Element der Geschichte in Meiningen gut ausgeleuchtet erscheint, verdankt sich der schlüssigen Inszenierung (mit einigen Überraschungen) und der bewundernswerten Leistung von Christine Zart und Michael Jeske. Beide gehen in ihrer Rollenausgestaltung bis zum Äußersten. Allen Respekt vor diesem schauspielerischen Kraftakt. Und die lustige Witwe nebenan würde, samt Hofstaat, ihr lustiges Spiel unterbrechen, wüsste sie, welche Tragödie sich
im dunklen Wald nebenan gerade ereignet.


Kritik von theaterherzog.de vom 24.10.2009:


Tolle Regie und zwei unglaublich beeindruckende Schauspieler - ein erneuter Höhepunkt des ohnehin begeisternden Repertoires der Kammerspiele!