Lars Wernecke

Ingeborg


Ingeborg

  Komödie von Curt Goetz
Schlosstheater Celle, 2008

Inszenierung: Lars Wernecke
Ausstattung: Susanne Thaler
Ingeborg: Petra Friedrich
Ottokar: Thomas Wenzel
Tante Ottilie: Monika Häckermann
Peter Peter: Andreas Werth
Herr Konjunktiv: Werner H. Schuster
Hadrian, ein Laubfrosch


Fotos: Jochen Quast








 


Auszug aus der Kritik der Celleschen Zeitung vom 13. Oktober 2008

Curt-Goetz-Stück brilliert mit geistreichen Dialogen voller Sprachwitz -
Überzeugende Darsteller und eine Geschichte, die nur so vor Sprachwitz sprüht: Die Boulevardkomödie „Ingeborg“ von Curt Goetz hatte Premiere auf der Hauptbühne des Celler Schlosstheaters. Die Inszenierung ist wirklich gelungen ...

Ingeborg liebt zwei Männer: ihren Mann Ottokar, einen vergeistigt-vertrottelten Insektenforscher, und den geheimnisvollen Jugendschwarm namens Peter Peter, der plötzlich auftaucht und sich sofort wieder in sie verknallt. Beide Männer lieben Ingeborg und sind sich dabei dummerweise noch sympathisch. Kurz: Eine verzwickte Liebe im Dreieck und ohne Ausweg. Wernecke bleibt sehr dicht bei Goetz und tut gut daran. An den geistreichen Dialogen voller Sprachwitz, kleinen Weisheiten und Ironie zu sägen hieße, dem Stück den Atem zu nehmen. Der Dreiakter lebt von der Sprache, genauer: von den vielen Zweideutigkeiten, die in der deutschen Sprache stecken. Besonders pointiert versteht es Monika Häckermann in der Rolle der Tante Ottilie den Goetz’schen Humor herauszuarbeiten und mit Schnauze und Witz Ratschläge zu verteilen – auch wenn sie sie selber nicht einhält („Man sollte nie die Gelegenheit verpassen, den Mund zu halten.“)

Die anderen Darsteller stehen ihr in nichts nach. Thomas Wenzel alias Ottokar, der mit verkniffener Mimik versucht seine verhedderten Gedanken zu entwirren. Andreas Werth als Peter Peter, dem das Tempo in den Dialogen nicht hoch genug sein kann, ohne dass sein Ausdruck darunter leidet. Und nicht zuletzt Petra Friedrich, die die verzweifelte Ingeborg überzeugend verkörpert
... Höhepunkt der Komödie, der auf das Konto von Thomas Wenzel und Andreas Werth läuft: Wenn Ottokar und Peter Peter Unmengen Erdbeerbowle in sich hineinschütten, geraten nicht nur sie, sondern auch ihr Satzbau gefährlich ins Wanken. Die „Dinner-for-One“-Stimmung steigt von Glas zu Glas... Auch das Ende ist Wernecke gelungen. Der Regisseur widersteht dem Versuch, Goetz’ offenen Ausgang zu vollenden und die drei verzweifelten Hauptpersonen mit einer Lösung aus ihrem Dilemma zu führen. Stattdessen wird dem Zuschauer am Ende die Verzweiflung versüßt. Ausstatterin Susanne Thaler hat mit Rosengarten, plätscherndem Brunnen, Mitternachtssonne und Peer-Gynt-Suite in die Vollen gelangt – Kitsch, der fast weh tut und das Publikum mit einem langanhaltendem Schmunzeln nach Hause schickt.