Lars Wernecke

I love you, you're perfect, now change

I love you, you're perfect, now change
Musical von Joe DiPietro und Jimmy Roberts
Schlosstheater Celle, 2012

Inszenierung: Lars Wernecke
Musikalische Leitung: Ulrich Jokiel
Choreografie: Petra Beutel
Bühne: Odilia Baldszun
Kostüme: Andrea Göttert

Woman 1: Julia-Desirée Malkowski
Woman 2: Gabriela Lindlova
Man 1: William Danne
Man 2: Thomas Wenzel
Musiker: Ulrich Jokiel, Peter Missler


Fotos: Torsten Volkmer











Auszug aus der Kritik von celleheute.de vom 25. März 2012

Es ist 20 Uhr. Die Türen des Kaufhauses schließen. Das Licht erlischt. Nur Jennifer (Julia Malkowsiki), Melissa (Gabriela Lindlova), Robert (William Danne) und Jordan (Thomas Wenzel) bleiben alleine zurück. Eingeschlossen im Kaufhaus erzählen die vier alles rund um die Liebe. Vom ersten Date über die Hochzeit bis hin zur Beerdigung.

In 20 Episoden werden im aktuellen Stück „I love you, you’re perfect, now change“ einzelne Geschichten aus dem Liebesleben unterschiedlichster Menschen dargestellt. Dabei schlüpfen die vier Schauspieler des Schlosstheaters in ca. 60 verschiedene Rollen. Nach langer Zeit ist mit diesem Stück wieder ein Musical auf der Celler Bühne zu sehen. „I love you, you´re perfect, now change“ von Joe DiPietro mit Musik von Jimmy Roberts gehört zu den erfolgreichsten Off-Broadway Produktionen und wurde seit der Premiere 1996 über 5000 mal gespielt. In Celle ist eine Inszenierung von Lars Wernecke unter der musikalischen Leitung von Ulrich Jokiel zu sehen.

Die Chronologie jeder Liebesgeschichte beginnt mit dem ersten Date, so auch das Musical. Die erste Episode trägt den Titel „Sehr, sehr, sehr beschäftigt“. Dargestellt wird ein erstes Date, das man so nicht oft erlebt, aber in der heutigen stressigen Gesellschaft als doch plausibel erscheint. Aus zeitlichen Gründen überspringen Pat und Stan das erste, zweite und dritte Treffen ebenso wie den ersten Sex, den ersten Krach und die Trennung und setzen direkt bei dem ersten Wiedersehn nach der Trennung an. Gabriela Lindlova und Thomas Wenzel bringen das Publikum in dieser ersten Episode bereits lauthals zum Lachen; dieses soll so auch die nächsten zwei Stunden so weiter gehen. Eine Pointe folgt der nächsten. Sichtlich beeindruckt ist das Publikum von der sängerischen Leistung von William Danne, der erstmals am Schlosstheater zu sehen ist. Durch seine und die Stimme von Gabriela Lindlova erhält das Musical eine deutliche Aufwertung. Besonders gelungen ist auch, dass Lars Wernecke dem Musical eine Rahmenhandlung im Kaufhaus gegeben hat, so wird schnell aus einem Hemd eine Schürze, aus einem Golfschläger ein Gehstock oder aus einem Kleiderständer ein Lenkrad. ...

Für jeden, der seine Zeit voller Witz, Musik und Tatsachen verbringen möchte ist „I love you, you´re perfect, now change“ die perfekte Abendgestaltung. Mit einem Abschluss, der auch zum Nachdenken anregt.

 

Auszug aus der Kritik der Celleschen Zeitung vom 19. März 2012

Die Liebe ist ein seltsam Ding. Das Schlosstheater macht sich diesen Tatbestand zunutze und schickt mit dem Musical „I Love You, You’re Perfect, Now Change“ ein Stück ins Rennen, das zum Publikumserfolg werden könnte.

Männer sind anders, Frauen auch – gleichwohl können diese so unterschiedlichen Kreaturen irgendwie nicht voneinander lassen. Der Off-Broadway-Hit mit Texten von Joe DiPietro und Musik von Jimmy Roberts spielt die Variationen der Liebe und ihrer Verwirrungen von der Jugend bis zum Alter durch. Kontinuierlich festgelegte Figuren gibt es dabei nicht, die vier Akteure übernehmen insgesamt 60 Rollen. Praktisch, dass Regisseur Lars Wernecke das Geschehen in ein Kaufhaus verlegt hat, wo die jeweils benötigten Kleidungsstücke greifbar sind und ein Golfschläger schon mal schnell zum Krückstock mutieren kann.

Der Wiedererkennungseffekt dürfte in so mancher Szene hoch sein, und Übertreibung muss ja nicht schaden. Beim Flirten kann sich etwa herausstellen, dass die Interessengebiete doch recht unterschiedlich gelagert sind – das beweist hier ein Mann, der mit seinen Erörterungen aerodynamischer Ingenieurstechnik nicht wirklich das erotische Interesse der Gesprächspartnerin weckt. Auch die entzückten Eltern, die den Freund beharrlich mit Kinderfotos belästigen, können einem bekannt vorkommen. Ganz zu schweigen vom Vater, der sich nur noch in Babysprache zu artikulieren weiß und offenbar nicht auf die naheliegende Idee kommt, einfach mal normal zu reden.

Auch der Zeitgeist macht sich hier bemerkbar. Da ja heutzutage alle Menschen so irrsinnig beschäftigt sind, beschließt ein Paar, einige der üblichen Abläufe zu überspringen: den ersten Sex, den ersten Krach – bis man schließlich gleich die Trennung ins Auge fasst. Und in einer Video-Kontaktanzeige verrät eine alternde Frau mehr über sich, als sie vielleicht zunächst wollte, um dann aber zu dem Gesagten zu stehen. Eine der tiefgründigeren Nummern, die dieser Abend ebenfalls zu bieten hat.

Alle vier Akteure meistern die schnellen Abläufe ebenso wie die stimmlichen Anforderungen und haben ihre Sternminuten. Thomas Wenzel und Julia Malkowski spielen etwa im Sketch „Der Lasagne-Zwischenfall“ eine wunderschön missglückte Verabredung zu einem Date. Gabriela Lindlova und William Danne brillieren unter anderem bei der Gesangsnummer „Heulsuse“, in der ein Macho, zum Betrachten eines Frauenfilms genötigt, von Tränen übermannt wird. Danne hat vielleicht die meisten vergleichbar starken Momente, weil er die schwierige Kunst beherrscht, Klischees derartig krass zu bedienen, dass es schon wieder Spaß macht.

Nicht vergessen darf man bei alledem die Musiker Ulrich Jokiel (Klavier) und Peter Missler (Saxofon und Querflöte), gerade weil sie so unauffällig agieren und die Sache musikalisch im Fluss halten. Die stilistische Bandbreite ist übrigens groß; mal klingt’s fetzig, mal sanfter, und der eine oder andere Ohrwurm wird mitgeliefert. ... Wer auf gediegene Unterhaltung erpicht ist und dabei eine Prise Nachdenklichkeit nicht verschmäht, dürfte hier an der richtigen Adresse sein.