Lars Wernecke

Das wilde Fest

Das wilde Fest
Langpoem von Joseph Moncure March
Bühnenfassung von Lars Wernecke
Schlosstheater Celle, 2010

Inszenierung: Lars Wernecke
Ausstattung: Birgit Bott
Mit Stefanie Lanius, Ulrich Jokiel und Ingo Brosch

Fotos: Jochen Quast







Auszug aus der Kritik der Celleschen Zeitung vom 7. November 2010

... „Von den Schultern rutschende Spaghettiträger / kein Halten mehr, es wurde schräger und schräger …“ Kein Zweifel: „Das wilde Fest“ ist in vollem Gange. Das Schlosstheater zeigte in der Kleinen Residenzhalle eine Bühnenfassung des Langgedichts von Joseph Moncure March. Und ließ dabei die 20er Jahre wieder aufleben.

Das Publikum sieht in Lars Werneckes Inszenierung allerdings keinerlei Spaghettiträger rutschen, auch fliegen die Fäuste nicht wirklich, und schon gar nicht gehen Männlein und Weiblein kreuzweise heftigst miteinander in den Clinch: Von diesen und vielen anderen Dingen wird lediglich berichtet. Das übernehmen drei Akteure, die zu Beginn in Birgit Botts wunderbar chaotischem Bühnenbild – inklusive Wäschestück im Kronleuchter – zu erwachen scheinen und die Ereignisse der vergangenen Nacht rekapitulieren.

Ein reiner Erzählabend ist gleichwohl nicht angesagt, denn das Trio gibt mancherlei Gesänge zum Besten, das eine oder andere Tänzchen wird gewagt, und wenn es darum geht, die Partybesucher zu skizzieren, schlüpfen die Protagonisten schon mal in deren Rollen. Man will sie sich ja vorstellen können: die Gastgeber Queenie und Burrs, das Luder Kate, den etwas tumben Black, den noch viel tumberen Eddie, die blutjunge Nadine und wie sie alle heißen.

Offenbar sind bei all diesen lieben Menschen unter zunehmendem Alkoholeinfluss die Hemmungen mehr oder minder gründlich gefallen – es hat seine Gründe, dass die Nachbarn mit der Polizei gedroht haben. Kurz, wir erleben hier die Schilderung einer Orgie, die durchaus ihre kuriosen und komischen Züge hat, wirken die Figuren doch zumindest streckenweise höchst amüsant, auch und gerade, wenn sie sich völlig unterbelichtet gebärden.
...

Die Akteure ergänzen sich gut. Stefanie Lanius gibt hier die Kokette, lässt dort das Biest raushängen, phrasiert den Text stimmig und setzt bei den Pointen einige blitzsaubere Punktlandungen. Ulrich Jokiel besticht mit seinem Klavierspiel und ist als Darsteller mehr für die finsteren Töne zuständig ... Einige Gesangsbeiträge von Ingo Brosch gehören zu den Höhepunkten des Abends, und der Darsteller kommt sehr dynamisch daher ...

Im Programmfolder wird die Aufführung als „Flotter Dreier mit Musik“ beworben – und genau das ist sie auch. ... Fazit also: Wer auf solide bis fetzige Unterhaltung steht, kann an diesem „Wilden Fest“ seine Freude haben. ...